Gemeinsam in die Zukunft e.V.
Вместе в будущее
 Zusammenarbeit der Kreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (BRD) und Bragin (Belarus)
Koordination/Kontakt: Heike Sabel, Urnenweg 17, 01796 Pirna
Fax 03501/46 61 65, Tel. 03501/46 59 83, 0172/37 14 821  


















Am 16.07.2010 war es endlich so weit:
Unsere Fahrt nach Weißrussland konnte beginnen. Jeder von uns hatte sich gründlich vorbereitet, sich im Internet über Land und Politik informiert und das ein oder andere Wort Russisch aus Schultagen hervorgekramt.
Doch zunächst standen wir vor der Herausforderung das gesamte Gepäck der sechs TeilnehmerInnen zu verstauen. Auch hatte jeder von uns eine Vielzahl von Geschenken, wie Süßigkeiten, Spielsachen und Souvenirs aus der Sächsischen Schweiz besorgt.
In dem vom ASB Neustadt gesponserten Kleinbus fand sich jedoch genügend Raum, sodass wir nichts zurücklassen mussten. Nachdem das Navigationsgerät programmiert und Proviant griffbereit war, ging es auf in Richtung polnische Grenze. Uns erwartete eine 25-stündige Reise auf der wir ca. 1400 km zurücklegen sollten. Mit beinah melancholischem Blick beobachteten wir, wie sich mit zunehmender Entfernung die Landschaft veränderte. Felder, Wiesen und Wälder machten nur selten Platz für kleine freundliche Ortschaften. Einige Male machten wir Halt, um uns die Beine zu vertreten oder Kleinigkeiten an einer Raststätte zu kaufen. An Schlaf war kaum zu denken. Viel zu groß war die Aufregung auf unser Weißrussland-Abenteuer.
Am Samstag, den 17.06.2010 erreichten wir müde und geschafft jedoch glücklich unser Ziel. Es war schon spät am Abend und nach einem reichhaltigen Abendbrot konnten die Zimmer bezogen werden und alle freuten sich auf einen erholsamen Schlaf. Am nächsten Morgen bekamen wir einen
weiteren Vorgeschmack auf die weißrussische Gastfreundschaft. Wo wir doch zu Hause meist nur ein Brötchen frühstückten, fanden wir uns hier an einem überaus reich gedeckten Tisch wieder, der selbst doppelt so viele Menschen noch locker satt gemacht hätte. Doch selbst wer Morgenmuffel war musste immer wieder zugreifen, denn die Gastgeber wachten stets darüber, dass wir uns gründlich satt aßen, bis wir uns den Bauch hielten. Im Verlauf unseres Aufenthaltes sollten wir bald merken, dass das keine Ausnahme war. Bei jeder Mahlzeit wurde so viel Essen aufgetischt, wie der Tisch Platz bot. Für die großen Bemühungen der Gastfamilien waren wir sehr dankbar, wussten wir doch, dass es für sie sehr anstrengend war, auch wenn sie es sich nicht ansehen ließen.

Mit vollem Magen und ausreichend Sonnenschutz ausgestattet, nutzen wir unsere freie Zeit, um bei einem Spaziergang die Stadt Bragin zu erkunden. Besonders beeindruckten uns die vielen Dekorationen, die mit viel Fantasie aus verschiedensten Materialien, wie Reifen, Flaschen oder altem Blech hergestellt worden sind. Recycling mal anders!

 

Wir lernten Bragin als eine sehr saubere und freundliche Stadt mit vielen gepflegten Grünflächen und Denkmälern kennen. Auch die Sonne meinte es sehr gut mit uns. Bei Temperaturen von 40 Grad half oft nur eine Abkühlung im Fluss. Während unseres ersten Badeausflugs gesellten sich auch prompt einige Jugendliche zu uns, die sich über den Grund unseres Aufenthaltes informieren wollten. Schnell entstand ein langes Gespräch, denn auch wir deutschen Jugendlichen wollten viel über das Leben in Weißrussland erfahren. Einige Zeit saßen wir so zusammen, spielten Volleyball und kühlten uns beim Schwimmen ab. Für den Abend verabredeten wir uns, um gemeinsam spazieren zu gehen und anschließend die Diskothek im Ort zu besuchen. Drei Mal in der Woche wird diese von den Jugendlichen in Bragin selbst organisiert. Im Saal des Kulturhauses dröhnt die Musik bis Punkt Mitternacht, der weitere Abend spielt sich dann unter freiem Himmel ab. Überall in der Stadt findet man Gruppen von Jugendlichen, ob im Stadion oder im Park. Nahezu jeden Abend trafen wir uns mit unseren neuen Freunden und wurden nicht müde, uns voneinander zu erzählen und miteinander zu scherzen. Ihren Einladungen, sie nachmittags zu Hause zu besuchen, kamen wir gern nach. Dort tauschten wir Musik, und die jungen Frauen kochten für uns typisch weißrussische Gerichte.

Renovierung des Kindergartens


Besonders gespannt waren wir darauf, wie sich unsere Arbeit im Kindergarten des Nachbarortes Malejki gestalten würde. Als wir im Kindergarten ankamen, waren die Bauarbeiten am Gebäude schon in vollen Gange. Doch Bauarbeiter suchten wir vergeblich. Wie wir bei einem ersten Rundgang mit der Leiterin erfuhren, wurden die meisten Arbeiten von den Mitarbeiterinnen des Kindergartens selbst geleistet. Um ausschließlich Firmen zu beschäftigen, dafür fehlte schlicht das Geld. Angesichts dieser Tatsache und des enormen Umfangs der Arbeit waren wir sicher, dass unsere Hilfe hier am richtigen Platz ist. Schließlich musste das gesamte Gebäude auf Vordermann gebracht werden und Kinder wie Eltern warteten schon gespannt auf die Wiedereröffnung. Mithilfe der Spendengelder aus Deutschland steuerten wir Tapete, Malerwerkzeuge und Farbe bei, mit denen wir Türen, Fenster und Heizkörper strichen. Außerdem bekamen die Holzfiguren im Garten wieder strahlende Farben. Besonders freuten sich die Mitarbeiterinnen, dass sie neue Lampen und Jalousien kaufen konnten, da die alten schon längst ausgedient hatten. Alles wurde farblich aufeinander abgestimmt. Zu einem renovierten Kindergarten gehören natürlich auch neue Spielzeuge. In einem Geschäft fanden wir einige schöne, die vor allem auch die motorischen Fähigkeiten der Kinder herausfordern. Das Engagement und der Erfindungsreichtum der zumeist noch sehr jungen Frauen war beeindruckend. Während wir noch etwas verlegen und unsicher über Improvisationsmöglichkeiten nachdachten, um die richtige Farbmischung anzurühren, legten sie einfach los.

Die braune Farbe wurde in die weiße eingerührt, und siehe da, der Farbton für die Heizkörper stimmte! Motiviert, in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand, so viel wie möglich zu erreichen, wollten wir sogleich mit der Arbeit loslegen. Zu unserer Verblüffung luden die Mitarbeiterinnen aber erst einmal zu einem zweiten Frühstück mit Tee, Kaffee, belegten Broten und Gebäck ein. Nach einer offiziellen Begrüßung und gegenseitiger Vorstellung machten wir uns dann ans Werk.

 

Mittags freuten wir uns über Kartoffeln, Brot, Speck sowie Gemüse und    Obst aus den Gärten der Frauen. Die herzliche und hervorragende Köchin schlossen wir vom ersten Tag an ins Herz. Sie schaffte es immer wieder, uns mit ihrer guten Laune anzustecken, sodass die Arbeit jede Menge Spaß machte. Gern hätten wir noch mehr bei der Renovierung geholfen, doch auf uns wartete auch ein spannendes Kulturprogramm.

 

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